Where have all the hair gone?

Ich bin absolut überwältigt und gerührt, wieviel positives Feedback ich von euch allen bezüglich der „Blog-Eröffnung“ bekommen habe. Ganz lieben Dank dafür! Oft musste ich schmunzeln, da ich vergessen hatte, dass einige von euch noch nicht wirklich davon wussten und mit diesem Blog etwas „überrumpelt“ wurden. Ich hoffe ihr entschuldigt das. Umso mehr freuen mich die zahlreichen lieben Zeilen von euch.
Der Grund, warum ich heute so offen über meine Haarlosigkeit sprechen kann, sind meine Familie, meine Freunde und das Glück, dass ich nicht einmal in den letzten 20 Jahren auf Personen gestoßen bin, die damit nicht klar kamen. (Vielleicht einmal – aber da war ich bereits so alt, den Kerl allgemein für einen Idioten zu halten.) Für diejenigen unter euch, die sich noch immer fragen, warum ich keine Haare habe und wie das alles passiert ist, hier meine Geschichte:

Als ich 7 Jahre alt war, sind mir schleichend meine Haare ausgefallen. Alles fing mit einer kahlen Stelle am Hinterkopf an und irgendwann waren alle weg. Ich vermute, dass ich das damals gar nicht voll umreißen konnte, was passiert – genauso wenig wie meine Freunde in der 1. Klasse. Sie haben quasi „live“ miterlebt, wie meine Haare täglich weniger wurden. Meine ältesten Freunde, die mir aus dieser Zeit geblieben sind, erzählen mir heute, dass sie vorrangig „interessiert“ und besorgt waren und ihre Eltern gefragt haben, warum mir das passiert. Beantworten konnte diese Frage leider niemand. Unzählige Ärzte waren allesamt relativ ratlos. Der eine versuchte es mit einer Art Immun-Therapie, in welcher getestet wurde, was ich nicht vertrage. (Ich durfte einen Monat lang keinen Weizen essen – wohlgemerkt war das noch in der Zeit, als Weizen noch nicht der „Feind in der Küche“ war und Dinkel und Vollkorn noch keine Option waren – „Verbotener Weise“ habe ich mir an St. Martin also eine Brezel gegönnt. Daraus resultierte ein fetzen Streit mit meiner Großmutter, die mir diese böse Weizen-Brezel wegnahm. Sie wollte wohl nur mein Bestes. Die Therapie war für mich auf jeden Fall Geschichte.) Ein anderer versuchte es mit einer Kortison-Therapie. Meine Haare wuchsen wieder, immerhin, aber ich sah plötzlich aus wie ein aufgeblähter Krapfen. Nachdem mir das wohl alles zu bunt wurde und ich mich mit meinen zarten 7 Jahren schon nicht mehr selbst im Spiegel ansehen konnte (Zitat: „Ich bin fett und möchte das nicht mehr nehmen.“), haben meine Eltern meinen Wunsch respektiert, es einfach auf sich beruhen zu lassen. – Offensichtlich hatte ich meinen Frieden damit geschlossen und wollte mein kleines Prinzessinnen-Leben unbesorgt weiterführen.

Eines Tages sind meine Eltern mit mir nach München zu einem Perücken-Laden gefahren. Ich erinnere mich daran, dass wir in einen, in meinen Kinderaugen, staubigen, dunklen und kleinen Laden gingen, in dem riesige Regale mit Puppen- und Perücken-Köpfen standen. Da hat es mich so gegruselt, dass ich auf dem Absatz kehrt gemacht habe und aus dem Laden gelaufen bin. Die Sache mit der Perücke war für mich gegessen.

Von da an begannen 9 Jahre meiner Kindheit und Jugend, in denen ich unbesorgt ohne Haare durch die Welt spazierte. Dabei war mein großer Vorteil, dass ich a) bereits wunderbare Freunde aus Kindergarten und Grundschule hatte und b) Kinder, die mich nicht kannten, einfach offen heraus gefragt haben, warum ich keine Haare habe. Ich kann euch zwar nicht wirklich sagen, was ich daraufhin geantwortet habe, aber irgendetwas Nettes wird es gewesen sein, da niemand vor mir davon gelaufen ist. Darüber hinaus hatte ich weiterhin süße Kleidchen an, sodass mein Geschlecht einwandfrei erkennbar war. (Ehrlich gesagt hatten hier so manche Jungs mit langen Haaren mehr Probleme als ich).

Quintessenz aus der Geschichte ist, dass meine Eltern in dieser Zeit alles mehr als richtig gemacht haben. Sie haben mich intuitiv einfach machen lassen und so mein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein unbewusst gefördert. Dadurch, dass in dieser Zeit alles offen mit Freunden, Bekannten und auch Lehrern besprochen wurde, fühlte ich mich wohl. Oder zumindest nicht anders oder sonderbar. Da medizinisch gesehen ja ohnehin keiner eine Ahnung hatte, was geschehen war, wäre wohl das Schlimmste gewesen, mir einfach eine Perücke aufzuzwingen oder mir jeden Tag irgendeine andere Kopfbedeckung umzubinden, damit keiner fragt und ich nicht „krank“ oder „anders“ erscheine.

Ein Phänomen, das man leider oft bei Personen erkennt, die ihre Haare aufgrund einer schlimmeren Krankheit verlieren. Beim Kauf einer meiner letzten Perücken machte ich Bekanntschaft mit ebenso einer Person.

Die Dame tat mir Leid. Warum, erfahrt ihr in meinem nächsten Blog-Post am Sonntag.

►in english, please◄

I’m really overwhelmed with joy of all your positive feedback which reached me so far. Thank you so much! Sometimes I had to smile, as I forgot that some of you did not know about me wearing a wig and they were taken by a surprise with this blog. I hope you all can excuse me. I’m really happy about all your lovely feedback. The reason, why I can talk about my Alopecia so open minded is, that I got lovely friends and family and did not met one person in 20 years, who wasn’t sympathetic and understanding. For the ones, who ask themselves why I have no more hair and what happened, here is my story:

When I was 7 years old, I lost my hair from day to day. It all began with a bald spot on my back of the head and after a while, all hair was gone. I guess, I wasn’t able to understand what was happening, as I was simply too young. Neither my friends at school understood. They witnessed how I lost my hair from day to day. My friends, who I still know from this time tell me, that they were prior “interested” and worried about me. Unfortunately, nobody had an answer about what happened. Different doctors were at a loss and couldn’t help. One tried e.g. to find out, if there are some foods I can’t tolerate. (I wasn’t allowed to eat wheat for one month. In a time where spelt and whole grain wasn’t an option. So one day, on St. Martin’s Day, I ate a Pretzel and this caused a dispute between my grandma and me. For sure, she just wanted the best. But this was the end of the “therapy” for me as I was 7 years old and just wanted to eat whatever I wanted.) Another doctor tried a cortisone therapy. After all, my hair grew again, but the price was high. I went bloated and simply fat. With my young age I couldn’t look at myself and I told my parents to stop all medical experiments. They respected my wish immediately – Obviously, I made peace with my bald and just wanted to enjoy my childhood as usual.

One day, my parents and I went to a wig shop in Munich. I remember entering, in my children’s eyes, in a dusty, gloomy and small shop. There were huge shelves with hundreds of mannequins. It was so scary to me that I turned on my heels and run out. That settled the matter.

From this time on, I lived unconcerned for 9 years without hair and without a wig. As a Baldie. My big advantages were, that I first already had lovely friends, who knew what had happened and second all people I met were so open-minded and interested that they didn’t ran away when seeing me. Furthermore, I dressed like a girl and so there was no possibility to mistake my gender. (There were more boys with long hair who had these kind of problems.)

In conclusion, my parents have made everything more than right in this time. Intuitively, they let me live my life and enjoy my childhood and unconsciously, they promoted my self-esteem and self-confidence. As my Alopecia was discussed openly with my friends and teachers, I felt good. At least I didn’t felt differently. Since anyway nobody knew how to “heal my bald”, it would be the worst just to give me a wig or worst, just another headgear to avoid that people ask what had happened.

Unfortunately, many people who are seriously ill and lose their hair e.g. due to cancer, just wear some headgear. Or a headscarf. When I bought my last wig, I met such a person. I was sorry for her. Why? You will read it in my next story on Sunday.

🍀Temsonika

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s